Compliance-Grundlagen

Braucht Ihr Produkt Prüfungen? Ein einfacher Leitfaden für die USA und die EU

20. Oktober 2026 · Bearsource


Braucht Ihr Produkt Prüfungen? Ein einfacher Leitfaden für die USA und die EU

Diese Situation erleben wir immer wieder: Die Ware ist produziert, die Kartons sind gepackt – und dann fragt Amazon oder ein Händler: „Können Sie uns den Prüfbericht schicken?" Plötzlich gibt es eine Laborrechnung, eine Verzögerung und manchmal ein Produkt, das geändert werden muss.

Die gute Nachricht: Das meiste davon ist vorhersehbar. Wenn Sie vor Produktionsbeginn wissen, was Ihr Produkt braucht, wird die Prüfung ein normaler Schritt im Plan – und kein Notfall.

Dieser Leitfaden behandelt die häufigsten Fälle für den US-Markt und enthält am Ende einen kurzen Überblick für den EU-Markt. Er ist ein Startpunkt, keine vollständige Liste. Die Regeln hängen von Ihrem konkreten Produkt ab – prüfen Sie Ihren Fall immer genau.

Braucht Ihr Produkt Prüfungen? Ein einfacher Leitfaden für die USA und die EU

Kurzüberblick USA: was meist gebraucht wird

Ihr Produkt Worauf Sie achten sollten
Für Kinder (bis 12 Jahre) Prüfung bei einem von der CPSC anerkannten Labor plus Children's Product Certificate (CPC)
Elektronik FCC-Regeln. Produkte mit Bluetooth oder WLAN brauchen eine FCC-Zertifizierung, viele andere eine einfachere Erklärung
Kontakt mit Lebensmitteln oder Getränken Materialien, die die FDA-Vorgaben für Lebensmittelkontakt erfüllen; für Kalifornien zusätzlich Prop 65 prüfen
Mit Lithiumbatterie UN38.3-Prüfzusammenfassung für den Versand, dazu Batterie-Sicherheitsprüfungen
Andere Produkte Teilweise ein General Certificate of Conformity (GCC), wenn eine CPSC-Vorschrift gilt

Kinderprodukte

Ist Ihr Produkt hauptsächlich für Kinder bis 12 Jahre gedacht – Spielzeug, Kinderrucksäcke, Kinderkleidung, sogar eine Kindertrinkflasche –, sind die US-Regeln streng. In der Regel brauchen Sie:

  • eine Prüfung bei einem von der CPSC anerkannten unabhängigen Labor,
  • ein Children's Product Certificate (CPC) auf Basis dieser Ergebnisse,
  • Rückverfolgbarkeits-Kennzeichnungen auf Produkt und Verpackung.

Gerade bei „lustigen" Produkten ist das eine der häufigsten Überraschungen. Planen Sie es von Anfang an ein.

Elektronik

Fast alles mit einer Leiterplatte fällt unter die FCC-Regeln, die sich mit Funkstörungen befassen.

  • Funkprodukte (Bluetooth, WLAN) brauchen eine FCC-Zertifizierung und eine FCC-ID.
  • Viele andere Geräte können eine einfachere Konformitätserklärung des Lieferanten nutzen – auch dahinter stehen aber Prüfungen.

Händler und Marktplätze verlangen oft zusätzlich Sicherheitsprüfungen, besonders bei Ladegeräten und allem, was an die Steckdose kommt.

Kontakt mit Lebensmitteln und Getränken

Trinkbecher, Brotdosen, Küchenhelfer: Alles, was mit Lebensmitteln in Berührung kommt, sollte aus lebensmittelechten Materialien bestehen, die in den USA die FDA-Vorgaben erfüllen. Lassen Sie sich früh Materialberichte geben und prüfen Sie das fertige Produkt – nicht nur das Rohmaterial. Beschichtungen, Farben und Drucke können das Ergebnis verändern.

Lithiumbatterien

Powerbanks, Kopfhörer, smarte Gadgets: Steckt eine Lithiumbatterie drin, brauchen Sie eine UN38.3-Prüfzusammenfassung, um das Produkt überhaupt per Luft- oder Seefracht versenden zu dürfen. Die meisten Marktplätze verlangen sie ebenfalls. Batterie-Sicherheitsprüfungen sind dringend zu empfehlen und bei Händlern oft Pflicht.

Fragen Sie früh danach. Kann eine Fabrik keine UN38.3-Unterlagen für ihre Batterien vorlegen, ist das ein Warnsignal.

Für den EU-Markt: die wichtigsten Unterschiede

Verkaufen Sie in Deutschland oder der EU, gelten eigene Regeln. Die häufigsten Punkte:

  • CE-Kennzeichnung für viele Produktgruppen, z. B. Spielzeug und Elektronik – mit technischer Dokumentation und Konformitätserklärung.
  • Spielzeug: Prüfung nach der Normenreihe EN 71.
  • Lebensmittelkontakt: Verordnung (EG) Nr. 1935/2004; in Deutschland wird außerdem häufig nach LFGB geprüft.
  • Batterien und Elektrogeräte: Kennzeichnungs- und Rücknahmepflichten (z. B. Batterie- und Elektroaltgeräte-Regeln).
  • UN38.3 gilt für den Transport von Lithiumbatterien auch hier.

Wann prüfen? Der Punkt, an dem die meisten danebenliegen

  • Vor der Produktion: wissen, welche Prüfungen nötig sind, und sie einplanen.
  • An Vorserienmustern: Einheiten testen, die mit den echten Materialien und Prozessen gefertigt wurden.
  • An Serienware: Händler verlangen oft Berichte aus der tatsächlichen Produktion.

Der teure Fehler ist, nach der Produktion zu prüfen. Fällt dann etwas durch, korrigieren Sie Tausende Einheiten statt ein paar Muster.

Wer prüft?

Unabhängige, akkreditierte Labore – viele davon mit Standorten in der Nähe asiatischer Fabriken. Ihre Fabrik hat vielleicht alte Berichte, aber diese müssen zu Ihrem Produkt und Ihren Materialien passen. Ein Bericht für „etwas Ähnliches" wird meist nicht akzeptiert.

Das Fazit

Prüfungen sind kein Schrecken, wenn sie geplant sind. Finden Sie heraus, was Ihr Produkt braucht, bauen Sie es in den Zeitplan ein und prüfen Sie vor der Produktion – nicht erst, wenn ein Käufer fragt.

Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Compliance-Beratung. Anforderungen ändern sich und hängen von Ihrem Produkt ab – klären Sie sie mit einem akkreditierten Labor oder einer Fachperson.

Wir begleiten Ihr Produkt von der Idee bis zur Lieferung. Dazu gehört auch, Prüfungen zu planen, mit Laboren zu arbeiten und sicherzustellen, dass die Unterlagen zu dem passen, was tatsächlich produziert wurde. Sie bringen die Idee. Wir bauen das Produkt.

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