Versand-Grundlagen

FOB, EXW oder DDP: Zu welchen Lieferbedingungen sollten Sie einkaufen?

26. Oktober 2026 · Bearsource


FOB, EXW oder DDP: Zu welchen Lieferbedingungen sollten Sie einkaufen?

Zwei Fabriken bieten Ihnen dieselbe Trinkflasche an. Die eine verlangt 3,10 $, die andere 3,60 $.

Klare Sache? Noch nicht. Schauen Sie auf die drei Buchstaben neben dem Preis. Steht beim ersten Angebot EXW und beim zweiten FOB, kann das „günstige" Angebot am Ende teurer sein.

Diese drei Buchstaben heißen Incoterms. Sie regeln zwei Dinge:

  • Wer bezahlt welchen Teil des Transports
  • Wann das Risiko vom Verkäufer auf Sie übergeht (wer haftet, wenn etwas beschädigt wird?)

Hier die drei Klauseln, die Ihnen am häufigsten begegnen – einfach erklärt.

FOB, EXW oder DDP: Zu welchen Lieferbedingungen sollten Sie einkaufen?

EXW (Ex Works / ab Werk): „Holen Sie es ab"

Die Fabrik stellt die Ware fertig und hält sie an ihrem Tor bereit. Damit endet ihre Aufgabe.

Sie bezahlen:

  • das Beladen des Lkw in der Fabrik
  • den Transport zum Hafen
  • die Ausfuhrabfertigung im Land des Lieferanten
  • die See- oder Luftfracht
  • Einfuhrzoll, Verzollung und Zustellung im Zielland

Das Risiko geht auf Sie über: sobald die Ware in der Fabrik bereitsteht.

Geeignet für: erfahrene Einkäufer mit einem Spediteur, der auch die Ausfuhr im Lieferland übernimmt.

Achtung: EXW-Angebote wirken immer am günstigsten, weil so viel fehlt. Die Ausfuhrpapiere aus dem Ausland zu organisieren ist oft mühsam, und manche Spediteure berechnen dafür extra.

FOB (Free On Board / frei an Bord): „Wir bringen es aufs Schiff"

Die Fabrik bringt die Ware zum Hafen, erledigt die Ausfuhr und lädt sie auf das Schiff. Der Hafen wird immer genannt, zum Beispiel FOB Shenzhen oder FOB Ningbo.

Sie bezahlen:

  • die Seefracht ab diesem Hafen
  • die Versicherung (empfohlen)
  • Einfuhrzoll, Verzollung und Zustellung im Zielland

Das Risiko geht auf Sie über: sobald die Ware an Bord ist.

Geeignet für: die meisten kleinen und wachsenden Marken, die per Schiff importieren. FOB ist die häufigste Klausel bei Fabrikangeboten aus Asien.

Warum wir FOB mögen: Sie wählen Ihren eigenen Spediteur, können Frachtpreise vergleichen und sehen genau, was jeder Schritt kostet.

Kleiner Hinweis: Offiziell ist FOB für die Seefracht gedacht. Bei Luftfracht oder Kurier bieten Fabriken häufig FCA an (die Fabrik übergibt die Ware an Ihren Frachtführer). Das Prinzip ist ähnlich.

DDP (Delivered Duty Paid / geliefert verzollt): „Wir liefern bis vor Ihre Tür"

Der Verkäufer liefert an Ihre Adresse, Einfuhrzoll und Steuern sind bezahlt.

Sie bezahlen: den Preis im Angebot – zumindest in der Theorie.

Das Risiko geht auf Sie über: wenn die Ware bei Ihnen ankommt.

Geeignet für: Erstbestellungen, kleine Sendungen und alle, die es einfach haben möchten.

Achtung:

  • Fracht und Zoll stecken im Preis, Sie sehen die einzelnen Posten nicht
  • Prüfen Sie, wer als Importeur eingetragen ist. Je nach Fall bleiben Sie trotz DDP für die Einfuhr verantwortlich
  • Fragen Sie, was passiert, wenn der Zoll die Ware zurückhält, und wer dann die Lagerkosten trägt
  • Zollsätze und Regeln ändern sich. Klären Sie, ob der Preis fest ist oder sich vor der Lieferung noch ändern kann

Der schnelle Vergleich

EXW FOB DDP
Fabrik belädt den Lkw Nein Ja Ja
Ausfuhrabfertigung Sie Fabrik Verkäufer
See- / Luftfracht Sie Sie Verkäufer
Einfuhrzoll Sie Sie Verkäufer
Risikoübergang In der Fabrik An Bord An Ihrer Tür
Ihre Kontrolle Hoch Hoch Gering
Ihr Aufwand Am größten Mittel Am kleinsten

Ein einfaches Beispiel

Dieselbe Flasche, 3.000 Stück, zwei Angebote (ausgedachte Zahlen zur Veranschaulichung):

Angebot A (EXW) Angebot B (FOB)
Preis pro Stück 3,10 $ 3,60 $
Abholung, Lkw, Ausfuhrpapiere kommt bei Ihnen dazu inklusive
Seefracht kommt bei Ihnen dazu kommt bei Ihnen dazu
Zoll kommt bei Ihnen dazu kommt bei Ihnen dazu

Angebot A gewinnt nur, wenn Lkw und Ausfuhr weniger als 0,50 $ pro Stück kosten. Bei kleinen Bestellungen ist das oft nicht der Fall. Sicher wissen Sie es nur, wenn Sie alles zusammenrechnen.

So vergleichen Sie Angebote fair

  1. Lassen Sie alle Fabriken zu denselben Bedingungen anbieten. FOB ist meist am einfachsten.
  2. Holen Sie ein Frachtangebot Ihres Spediteurs für denselben Hafen ein.
  3. Rechnen Sie den Einfuhrzoll für die Zolltarifnummer Ihres Produkts hinzu.
  4. Rechnen Sie den Rest hinzu: Verpackung, Inspektion, Bankgebühren, Zustellung ab Hafen.
  5. Vergleichen Sie die Kosten pro Stück frei Haus (Landed Cost). Nicht den Fabrikpreis.

Unsere einfache Regel

  • Erste kleine Bestellung, möglichst einfach: DDP ist in Ordnung – lassen Sie sich aber aufschlüsseln, was enthalten ist.
  • Regelmäßige Bestellungen per Schiff: FOB mit Ihrem eigenen Spediteur.
  • EXW: nur, wenn Ihr Spediteur auch die Ausfuhr im Lieferland übernimmt.

Das Fazit

Der Preis im Angebot ist nur die halbe Wahrheit. Die drei Buchstaben daneben verraten Ihnen die andere Hälfte. Vergleichen Sie Angebote immer zu denselben Bedingungen – und immer auf Basis der Kosten frei Haus.

Wir begleiten Ihr Produkt von der Idee bis zur Lieferung. Dazu gehört, Fabrikangebote zu prüfen, die passenden Lieferbedingungen festzulegen und mit Spediteuren zu arbeiten – damit Sie Ihre echten Kosten pro Stück vor der Bestellung kennen. Sie sind unsicher, was in Ihrem Angebot steckt? Schicken Sie es uns, wir schauen es uns an. Sie bringen die Idee. Wir bauen das Produkt.

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